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WIE SIND BEWERBER IM BEREICH INDUSTRIEMECHANIK SO DRAUF?

Rudolf Hornauer ist Ausbildungsleiter für den gewerblich-technischen Bereich bei der Firma Jungheinrich. Rund um die Themen „Ausbildung“, „Auswahlverfahren“ und „Wie sind die Bewerber so drauf“ haben wir ihn für euch mit Fragen gelöchert. Industrie­mechaniker ist für ihn der Beruf, wenn man im Metallbereich etwas machen will.

 

Was ist das Besondere an der Ausbildung zum Industriemechaniker?

Rudolf Hornauer: Der Industriemechaniker bekommt eine sehr weitreichende, umfassende Ausbildung. Er lernt wichtiges Grundlagenwissen in vielen Bereichen, Montagetechnik, Schweißtechnik, Robotertechnik, CNC-Technik, Zerspanung. Und in allen Richtungen kann man sich später qualifizieren – auch, ohne dass man einen Meister macht. Und man kann sich in allen Bereichen was aufbauen. Man könnte die Industriemechaniker auch „Tausendsassas in allen Bereichen“ nennen.

Wie sind die Bewerber, die Industriemechaniker werden wollen, denn so drauf?

Man kann die Bewerber ungefähr dritteln. Ein Drittel machen „die Theoretiker“ aus, diese Azubis werden dann wahrscheinlich noch ihren Meister oder Techniker machen, ein weiteres Drittel sind „die Praktiker“, die sich am Arbeitsplatz qualifizieren und dann gibt es noch „die Zufriedenen“, die sehr viel Erfahrung in ihrem Beruf sammeln und unser Schatz in der Produktion sind. Ohne sie würde bei uns wenig gehen.

Wissen Sie das schon vorher?

Durch das intensive Auswahlgespräch bekommen wir schon bei der Bewerbung eine Vorstellung davon, wie die Bewerber drauf sind. Ob einer ganz diffizil und fein arbeiten kann oder lieber am Abend ein Ergebnis sehen, einen schnellen Erfolg haben will, das stellt man dann in der Ausbildung fest.

Wie genau läuft denn das Auswahlverfahren ab?

Als erstes mache ich mir aufgrund der Informationen aus der schriftlichen Bewerbung und ggf. Aufzeichnungen aus einem Schülerpraktikum bei uns eine Ratingliste. Anschließend rufe ich die einzelnen Bewerber/innen nach und nach an und lade sie zu einem persönlichen Gespräch ein. Es gibt bei uns keinen Test, sondern wir führen lieber ein längeres Gespräch, das kann auch mal bis zu 2 Stunden dauern.

Bei Ihren Auswahlgesprächen ist oft ein Elternteil mit dabei, warum?

Das hat den einfachen Grund, dass die Bewerber zum Teil ja noch sehr jung sind. Die Eltern müssen den Ausbildungsvertrag unterschreiben, wir lernen den familiären Hintergrund kennen und andersherum sollen die Eltern auch uns kennenlernen. Wir ziehen ja alle an einem Strang. Wenn es Probleme gibt, ist die Zusammenarbeit mit den Eltern für uns sehr wichtig. Auch wenn die familiäre Situation nicht ganz einfach ist, ist das aber kein Nachteil, dann weiß ich einfach Bescheid und kann verstehen, warum er oder sie manchmal so reagiert und dadurch besser auf ihn eingehen. Manchmal ist es auch besser, wenn die Eltern nicht mitkommen. Ich hatte zum Beispiel mal eine junge Bewerberin, wo die Mutter regelrecht einen Streit mit mir angefangen hat. Sie meinte, die Tochter macht sich beim Arbeiten die schönen Fingernägel kaputt. Aber die Tochter wollte den Beruf gerne machen.
Dann gibt es neben dem Bewerbergespräch für künftige Azubis auch einen „Tag der offenen Tür“. Da kommen die neuen Azubis mit Familie und besichtigen den Betrieb, probieren ihre Arbeitskleidung und erfahren Wissenswertes zu Jungheinrich.

Haben Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu Ihren Azubis?

Ja! Für mich sind die Azubis nicht nur Azubis, sondern junge Menschen, die ich nicht nur beruflich, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung fördern möchte. Das wissen meine Azubis auch und ziehen mich teils vor anderen Vertrauenspersonen in ihre Belange mit ein. Das macht für mich einen guten Ausbilder aus, ganz nach dem Motto „nicht nur Beruf – sondern Berufung!“.

Welche Anforderungen werden an die Bewerber gestellt?

Sie sollten Interesse am Beruf haben, Eigeninitiative entwickeln, also auch selbstständig werden wollen. Dann sollten sie sich auch ein bisschen informieren und wissen, was sie von dem Beruf erwarten können. Sie sollten leistungsbereit sein. Die Sozialkompetenz ist ebenfalls wichtig, also unsere Azubis sollten ehrlich und zuverlässig sein. Deswegen dauert bei mir ein Bewerbungsgespräch auch so lange. Da schau ich, was ist schon da? Weiß er oder sie, wovon er da spricht? Deshalb frag ich schon auch so Fragen wie: „Hast du daheim schon mal ein Radl gerichtet oder einen Rasenmäher?“

Wie sieht es mit dem Frauenanteil aus?

Also der Frauenanteil ist bei etwa 20 Prozent. Die Mädchen sind sehr interessiert, engagiert und beweisen sich stets in der Männerdomäne. Ich sag immer „Mädels tun der Gruppe gut!“, denn sie gleichen die Gruppen aus.

Welche Tipps haben sie für junge Leute, die sich bei Ihnen bewerben wollen?

Sie sollen sich richtig informieren! Man hat so viele Möglichkeiten, ob das die Agentur für Arbeit ist, Bekannte, das Internet und, und, und. Das wird alles leider oft nicht ausreichend genutzt. Auch empfehlen kann ich den „Girls“- und „Boys Days“, Betriebsbesichtigungen, Praktika und vor allem Ausbildungsmessen auch an Schulen, wo auch Azubis dabei sind und man mit Gleichaltrigen auf Augenhöhe reden kann. 

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