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Meine Story: Meine Mutter sagt immer, dass der Job das Wichtigste ist und alles andere danach automatisch kommt.

 

Badu Ba ist 23 Jahre alt und Flüchtling aus dem Senegal. Er spricht Französisch, Arabisch, Englisch, Italienisch und mittlerweile auch sehr gut Deutsch. Er kam über Marokko, Italien, die Türkei und die Schweiz nach Deutschland, ohne Papiere, ganz auf sich allein gestellt – ein Weg voller Zufälle und viel Glück. Heute macht er eine Ausbildung zum Gärtner in München. Wir haben mit Badu und seiner Ausbilderin Barbara, Inhaberin der Gärtnerei, gesprochen.

 

Badu wirkt auf den ersten Blick zurückhaltend, aber im Laufe des Gesprächs blüht er auf. Schnell wird klar, warum er seinen bayerischen Mittelschulabschluss für Fremdsprachler mit 1.0 abgeschlossen hat – er ist aufgeweckt, höflich und wissensdurstig. Sein Händedruck verrät, dass er anpacken kann.

 

Badu, welches Bild hattest du von Europa, bevor du den Senegal verlassen hast?

„Ich dachte, dass es ganz leicht ist, eine Arbeit zu finden, und über die Sprache habe ich mir auch keine Gedanken gemacht. Heute sehe ich alles etwas anders.“

Was sagst du jemanden aus dem Senegal, der nach Europa kommen möchte?

„Er soll erstmal einen Beruf lernen. Erst dann soll er nach Europa kommen.“

Was sind die größten Herausforderungen für dich?

„Die Hausaufgaben an der Berufsschule sind für mich sehr schwer. Ich brauche viel Zeit um alles zu verstehen. Ich bekomme die gleichen Arbeitsmaterialien wie meine Mitschüler.“

Was hast du im Senegal gemacht?

„Schon als Kind habe ich viel im Freien gearbeitet. Von klein auf gehen die Kinder mit den Erwachsenen aufs Feld. Ich habe sehr früh gelernt, auf einer Erdnussplantage zu arbeiten, Wassermelonen, Süßkartoffeln und Hirse anzubauen.“

Was hast du in Zukunft geplant?

„Ich möchte gerne meinen Meister machen, wenn es möglich ist – und in Deutschland bleiben. Jetzt habe ich einen Schulabschluss, dank meiner Chefin ein Zimmer im Wohnheim, verdiene mein eigenes Geld, bezahle Miete. Bevor ich nach Deutschland kam, wusste ich nicht, was eine Versicherung ist.“

Was sagt deine Familie?

„Meine Mutter ist sehr stolz auf mich und eine starke Frau. Ohne sie wäre mein Weg nach Europa anders verlaufen. Meine Mutter sagt immer, dass der Job das Wichtigste ist und alles andere danach automatisch kommt. Ohne Job ist man nichts.“

Barbara, warum haben Sie entschieden, einen Azubi mit Fluchthintergrund einzustellen?

„Bis zu den Sommerferien hat sich kein passender Bewerber oder Praktikant gefunden. Badu Ba wurde uns als Praktikant von der Schlau-Schule empfohlen und erwies sich als sehr wissbegierig und tatkräftig. Bevor wir dann im September ohne Lehrling dastehen würden, haben wir nach diversen Abklärungen beschlossen, es mit einem Flüchtling als Lehrling zu probieren.“

Was genau gilt es zu beachten?

„Wer einen Flüchtling als Lehrling anstellen möchte, muss sich bewusst sein, dass ziemlich viel Bürokratie auf ihn zukommt. Man muss sich um die passenden Papiere wie Duldung und Pass kümmern.“

Wo haben Sie sich informiert und wer hat Ihnen geholfen?

„Ich habe im Internet geforscht, und mir kam zugute, dass ich in der schweizerischen Ausländerbehörde gearbeitet habe. Somit wusste ich ungefähr, welche Papiere Badu braucht, damit er überhaupt eine Berechtigung zur Ausbildung bekommt. Allerdings braucht es auch eine gehörige Portion Glück und die richtigen Menschen an den richtigen Stellen, damit alles einigermaßen reibungslos beantragt werden kann. Ich habe festgestellt, dass die Behörden bereitwilliger kooperieren, wenn sich der zukünftige Ausbildungsbetrieb bzw. der Chef persönlich um die notwendigen Unterlagen kümmert.“

Was waren die größten Herausforderungen?

„Die Erlaubnis zur Ausbildung in Form einer Duldung zu erwirken. Eine Unterkunft in München zu bekommen, damit er aus dem Asyl-Heim kommt. Einen senegalesischen Pass zu bekommen. Zuschüsse zu beantragen.“

Welche Tipps haben Sie für andere, die es Ihnen gleichtun möchten?

„Man muss in einem Flüchtling nicht nur eine Arbeitskraft sehen, man muss sich um den Menschen bemühen und ihm helfen, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Und zwar in sämtlichen Bereichen. Es braucht sehr viel Geduld und Muße, ihm unser System und Verständnis von Ordnung und Arbeit zu vermitteln. Der Flüchtling sollte in erster Linie gut Deutsch verstehen und sprechen können, damit überhaupt eine fachbezogene Kommunikation möglich ist.“

Wie unterstützen Sie Badu in schulischen Belangen?

„Badu ist eine Woche in der Berufsschule und eine Woche im Betrieb. Wir lernen mit ihm alle Begriffe, die er noch nicht versteht. Sein Vorteil: Er weiß wie man einen Spaten hält und packt an. Davon können sich andere Praktikanten und Bewerber eine Scheibe abschneiden. Das Lernen können wir ihm nicht abnehmen. Allerdings haben wir noch zwei Lehrlinge, die ihn während der Schulphasen unterstützen. Aber am Ende muss er die Prüfung allein ablegen. Das ist eine große Chance für ihn. Ich sage immer: Badu, du bist einer unter einer Million!“

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