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MEINE STORY: BÜHNENMALERIN AMELIE

    Kleine blaue Tür mit der Aufschrift „Malsaal“.
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    Im Malsaal: Porträtfoto von Amelie; sie hält mehrere Handwerkszeuge.
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    Detailaufnahme: ein samtbezogener, gepolsterter Schemel mit Rädern.
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    Amelie sitzt auf dem Hocker und zieht Nägel mit einer Zange aus dem Boden.
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    Auf einem Wandbord stehen mehrere Kästen mit langen bunten Stielen.
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    Bühnenmalerin Amelie spitzt ihre Zeichenkohle an Schmirgelpapier.
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    Nahaufnahme: mehrere Pinsel und Bürsten.
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    Bühnenmalerin Amelie arbeitet an einer Kopie eines Gemäldes von Gerhard Richter.
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    Beim Foto-Interview entpuppt sich Amelie als geborene Schauspielerin. Doch sie arbeitet lieber hinter der Bühne. An der Kunstakademie hat die 26-Jährige zwei Abschlüsse gemacht. Doch ihren Traumjob fürs Leben hat sie in einem Ausbildungsberuf gefunden: Bühnenmalerei!

    AMELIES LEIDENSCHAFT: MALEN & GESTALTEN

    Schon in der 8. Klasse hatte Amelie ein Ziel: ein Kunststudium. Malen und Gestalten, das war ihre Leidenschaft. Sie bewarb sich an der Münchner Kunstakademie. Eine Voraussetzung war – neben einer Mappe mit eigenen Entwürfen und Arbeiten – ein Praktikum. Amelie machte es im Malsaal der Bayerischen Staatsoper. Dort entstehen die kleinen und riesengroßen Bühnenbilder für Opern und Operetten. „Das waren drei wahnsinnig schöne Monate.“ Amelie wurde an der Akademie aufgenommen; 2018 schaffte sie den Abschluss in Freier Malerei und Kunstpädagogik. Und nun? Dass sie nicht als Kunstlehrerin arbeiten wollte, stand für Amelie fest. „Ich wollte malen, nicht nur vermitteln.“ Und: „Ich wollte handwerklich arbeiten – und im Team.“

    EINFACH ETWAS SCHÖNES SCHAFFEN

    Immer öfter dachte sie an ihr Praktikum im Malsaal zurück. Dort hatte sie gelernt: „Als Bühnenmaler ist man Kopierer. Das ist auch eine Kunstform. Aber man kann nicht sein eigenes Ding machen.“ Für Amelie war das völlig in Ordnung. „Ich habe während des Studiums mein eigenes Ding gemacht, in der Kunst mein Innerstes nach außen gekehrt. Bei der Bühnenmalerei kann ich einfach etwas machen, ohne dass ich mich erklären muss. Ich wähle die Pinsel, mische meine Farben ... und dann schaffe ich etwas, das einfach nur schön ist.“

    „Als Bühnenmaler ist man Kopierer. Das ist auch eine Kunstform.“

    Amelie bewarb sich 2018 um die einzige Ausbildungsstelle, die im Malsaal alle drei Jahre vergeben wurde (ab 2019/20 wird alle zwei Jahre ein neuer Azubi aufgenommen). „Beim Bewerbungsgespräch wurde ich knallhart gefragt, ob ich mich als Künstlerin sehe, die man nicht kritisieren darf.“ Sie konnte ihren heutigen Chef, Jens van Bommel überzeugen: „Das eine ist meine Kunst, die mache ich privat. Und das andere ist mein Beruf.“ Amelie wurde genommen. Auch, weil sie sich bei ihrem Praktikum fünf Jahre zuvor einen starken Eindruck hinterlassen hatte.

    DAS NIMMT EINEN SCHON MIT!

    Im Malsaal der Bayerischen Staatsoper arbeitet sie jetzt vor allem an Übungsaufgaben, malt Bilder im kleinen Format (das bedeutet in der Opernwelt: 2 mal 3 Meter!) und gestaltet Oberflächen so, dass sie wie Marmor wirken, oder wie edle Hölzer. Gemeinsam mit einem Kollegen hat Amelie schon ein riesiges Bühnenbild gemalt, 20 Meter breit, 15 hoch. „Als ich das zum ersten Mal auf der Bühne gesehen habe, mit Musik und Licht, da war es ein Gesamtkunstwerk. Meine Herren, das nimmt einen schon mit.“