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10 AZUBI-FRAGEN AN ... JENS VAN BOMMEL, MALSAALVORSTAND

  • Porträtfoto: Jens van Bommel.
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  • Bühnenbild aus der Oper „Le Nozze di Figaro“. Foto: Bayerische Staatsoper/Wilfried Hösl.
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  • Auf einem Parkplatz: Ein großer LKW mit der Aufschrift „Bayerische Staatsoper“ wartet mit geöffneter Heckklappe aufs Beladen.
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Jens van Bommel leitet den Malsaal der Bayerischen Staatsoper. Die riesige Halle steht – mit denen der Bühnenplastiker, Schreiner und Schmiede – in einem Industriegebiet in Poing bei München. Als Malsaalvorstand ist Jens van Bommel „das Bindeglied zwischen dem Bühnenbildner, der eine künstlerische Idee entwickelt – und denen, die sie umsetzen“. In seinem Team arbeiten acht Bühnenmaler/innen, zwei Maler- und Lackierer/innen, ein/e Praktikant/in und ein/e (bzw. ab 2019/20 zwei) Auszubildende/r. Jens van Bommel ist auch verantwortlich für die Ausbildung.

KREATIVITÄT. HANDWERK. PERSÖNLICHKEIT.

1. Warum ist Bühnenmalerei Ihr Traumberuf?

Als Bühnenmaler geht man jeden Tag mit dem Bewusstsein zur Arbeit, dass man kreativ etwas erschaffen und wunderbare Bilder zaubern kann. Es ist einfach toll, mit so vielen kreativen Leuten auf einen Punkt hinzustreben, so viel kreativen Input zu erleben. Und ich finde es schön, wie sich junge Menschen bei uns auch nach der Ausbildung entwickeln: kreativ, im Handwerk und in ihrer Persönlichkeit.

2. Wie sind Sie Bühnenmaler geworden?

Als Jugendlicher habe ich Graffiti gemalt, später eine Ausbildung als Bauzeichner gemacht. Aber ich wollte Großformate! Bei einem bekannten freiberuflichen Theatermaler habe ich dann die Bühnenmalerei gelernt.

3. Bühnenmalerei: Woher weiss ich, ob ich’s draufhabe?

Alle unsere Azubis haben vorher bei uns ein Praktikum gemacht. So konnten sie herausfinden, ob die Bühnenmalerei etwas für sie ist. Und ob sie damit klarkommen, dass sie keine freien Künstler sind, sondern vor allem reproduzieren. Ein Praktikum bringt deutlich bessere Chancen bei der Bewerbung!

4. Wie sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz?

Bei uns kommen rund 80 Bewerberinnen und Bewerber auf einen Platz ... Viele gute Leute; es ist tragisch, dass wir jeweils nur einen nehmen können. Wir bewerten die künstlerischen Fähigkeiten und überlegen, wer gut ins Team passt. Vier Bewerber laden wir zu einem Einfühlungstag ein; dann müssen sie alle die gleiche Aufgabe lösen. In die Auswahl binde ich das ganze Team ein; alle stimmen anonym über die eingereichten Arbeiten und den Probetag ab.

UND NACH DER AUSBILDUNG? IMMER WEITER LERNEN ...

5. Ihr Tipp für die Bewerbung?

Ich bin altmodisch. Ich mag liebevoll gestaltete Bewerbungen, mit der Post geschickt. Eine Mappe mit Arbeitsproben auf Papier – und mit unkonventionellen Ideen. Ich freue mich, wenn sich eine Bewerbung kreativ abhebt.

6. Wie läuft die Ausbildung ab?

Unsere Azubis arbeiten drei Jahre lang in unserer Lehrwerkstätte. Dort lernen sie alle Techniken kennen und können sich intensiv erproben. Wenn’s drauf ankommt, arbeiten sie auch an der Produktion mit, d. h., an den Bühnenbildern für die nächste Premiere.

7. Wie geht’s nach der Ausbildung weiter? In den ersten Gesellenjahren lernt man mehr als in der Ausbildung! Es braucht sehr viel Wissen und Erfahrung, um den Entwurf des Bühnenbildners auf einen 30 mal 18 Meter großen Prospekt, also den Bühnenhintergrund, zu übersetzen. Was in unserem Beruf zählt, ist die Lust, immer weiter zu lernen.

8. Was ist der spannendste Moment in der Bühnenmalerei?

Das ist nicht die Premiere, sondern die technische Einrichtung: Wenn alle Bühnenbilder und Kulissen auf der Bühne auf ihre Position kommen und zum ersten Mal im Bühnenlicht zu sehen sind!

MAN WIRD NICHT REICH. ABER BEREICHERT.

9. Was verdiene ich als Bühnenmaler/in?

Es ist ein gut bezahlter Lehrberuf, aber nicht zu vergleichen mit dem produzierenden Gewerbe. Du wirst nicht reich an Geld; aber Bühnenmalerei ist ein unglaublich bereichernder Beruf. Für mich gibt es keine größere Genugtuung.

10. Sie sind jung – und leiten schon den Malsaal der Staatsoper. Ihre Karriere-Tipps?

Man braucht natürlich Fleiß und Disziplin. Und Mut und starken Willen! Ganz wichtig: Man muss bereit zum Ortswechsel sein, an verschiedenen Theatern oder Opernhäusern arbeiten. Und neugierig über den Tellerrand schauen: Wie funktioniert das Theater, die Oper, von der Dramaturgie bis zur Beleuchtung?

NOCH MEHR KREATIV-BERUFE ...

Nicht nur am Theater gibt es viele kreative Ausbildungsberufe (neben Bühnenmalerei z. B. Bühnenplastik, Masken- und Kostümbildnerei). Die Vielfalt reicht von der Floristik bis zur Fotografie, vom Audio-Design bis zur Mediengestaltung, vom Instrumentenbau bis zur Hutmacherei. Im BERUFENET der Arbeitsagentur kannst du z. B. Berufe aus Medien, Kultur, Gestaltung und Kunst kennenlernen.

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